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Russland reagiert gereizt auf Großmanöver in Polen

Veröffentlicht am 07.06.2016 | Lesedauer: 3 Minuten

Von Anna Kröning
Redakteurin

Mit "Anakonda 2016" wird die größte Militärübung in Osteuropa seit dem Ende des Kalten Krieges durchgeführt. Über 30.000 Soldaten aus Nato- und Partnerstaaten nehmen an dieser Militärübung teil. Sie sollen die Zusammenarbeit bei Szenarien wie hybride Kriegsführung, Cyber-Attacken sowie Terrorangriffen proben.
Quelle: Die Welt

Warum das wichtig ist:
Einige Alliierte werten Anakonda als riskantes Manöver. Verteidigungsexperten warnen vor russischen Reaktionen.

Es ist die größte Militärübung in Osteuropa seit dem Ende des Kalten Kriegs. Truppen, Fahrzeuge und Helikopter aus 24 Ländern treffen zurzeit in Polen zum Manöver "Anakonda 2016" aufeinander.

Das Großmanöver, das am 13. Juni endet, ist mehr als nur eine Übung, darüber sind sich Experten einig. Es ist zugleich ein Signal an den politischen Gegner und geografischen Nachbarn Russland.

Bei der Militärübung "Anakonda" in Osteuropa durchqueren die Truppen weitläufig Polen
Quelle: Infografik Die Welt

Damit ist Anakonda auch ein riskantes Manöver, sagen einige Alliierte. Denn das Terrain liegt nahe an der russischen Grenze. Und die Übung wird kurz vor dem Nato-Gipfel am 8. und 9. Juli abgehalten.

Offiziell wird das Manöver in der Nähe der Hauptstadt Warschau von Polen ausgerichtet und findet nicht unter dem Dach der Nato statt. Doch es nehmen insgesamt 24 Nationen, darunter Nato-Länder und deren Partner teil. Außerdem sind 1000 Männer der "Schnellen Nato-Eingreiftruppe" dabei.

Großaufgebot zu Wasser, zu Lande und in der Luft

Unter Leitung des polnischen Generalleutnant Marek Tomaszycki marschieren unter anderem 14.000 amerikanische, 12.000 polnische und 800 britische Soldaten durch das Gastgeberland Polen.

US-Truppen landen bei der Ãœbung in Polen
Quelle: AFP

Zu Wasser, zu Lande und in der Luft üben sie ein verbessertes Zusammenspiel zwischen Militärführung und Soldaten. Das Manöver hat rein defensiven Charakter.

Zum ersten Mal seit Einmarsch der Nationalsozialisten im sowjetisch besetzten Polen am 22. Juni 1941 durchqueren auch deutsche Soldaten das Land von West nach Ost. Allerdings ist die Bundeswehr nur mit Soldaten eines Pionierverbands und nicht mit Kampftruppen vertreten.

Ingenieure bauen für das Manöver eine Brücke über die Weichsel, damit 300 Fahrzeuge passieren können, begleitet von 35 Helikoptern. Über der nordpolnischen Stadt Torun gingen am Dienstag etwa Fallschirmspringer für eine Luftlandeübung nieder.

Bedenken auch aus Nato-Reihen

Zuvor hätten einige Alliierte massive Bedenken angemeldet, sagten Nato-Offizielle der "Tagesschau". Nicht wegen der Teilnahme von Nicht-Nato-Staaten, sondern auch deshalb, weil Länder wie Georgien und die Ukraine dabei sind.

Eine Haubitze mit Selbstantrieb passiert das Terrain Drawsko Pomorskie im nord-westlichen Polen
Quelle: dpa

Und auch Verteidigungsexperten warnen vor russischen Reaktionen: "Jedes noch so kleine Missgeschick, das die Russen missverstehen oder sich entscheiden falsch zu deuten, könnte eine Offensive auslösen", sagte ein Verteidigungsexperte in der europäischen Botschaft in Warschau der britischen Zeitung "The Guardian". Dies könne zu einem "Alptraum-Szenario" führen.

Die Übung trage nicht dazu bei, eine Atmosphäre von Vertrauen und Sicherheit zu schaffen, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Dienstag in Moskau. Es gebe ein Vertrauensdefizit im Verhältnis zum Westen, meinte er der Agentur Interfax zufolge.

Russland überschreitet Grenzen

Für Polen ist das Manöver allerdings ein Signal der Rückendeckung von Seiten der USA und der Nato. "Das Verteidigungsbedürfnis von Zentral- und Ost-Europa ist groß", sagte der polnische Verteidigungsexperte Marcin Zaborowski vom Zentrum für Europäische Politik-Analysen in Warschau.

Anakonda sei "noch gar nichts" im Vergleich zu den militärischen Übungen, die Russland permanent direkt an der Grenze veranstalte. Auch unangekündigt halte Russland dort immer wieder Manöver in wesentlich größerem Stil als die Nato ab.

Dazu gehörten auch Manöver im fremden Luftraum. 2009 wurde der Abschuss einer Rakete auf Warschau simuliert. 2013 war dann Estland das Ziel eines virtuellen Raketenschlags.


Quelle: welt.de

/ Bundeswehr

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